Bologna ist eine dieser Städte, die man lange unterschätzt hat. Doch in den letzten Jahren hat sich die Hauptstadt der Emilia Romagna immer mehr zum Ziel für einen Italien Städtetrip gemausert – nicht zuletzt wegen des gut angebundenen Flughafens
Mittlerweile wimmelt der centro storico nur so vor Touristen – ähnlich wie das unweite Florenz.
Wer darauf keine Lust hat und lieber die Geheimtipps von Bologna entdecken will, hat es nicht weit: unterirdische Wasseranlagen, anatomische Wachsmodelle, versteckte Theater und historische Trattorias sind oft nur wenige Schritte von der Piazza Maggiore entfernt.
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01. Conserva di Valverde – Bolognas geheimnisvolle Unterwelt

Einer der außergewöhnlichsten Bologna Geheimtipps liegt unter einem unscheinbaren Gebäude am Rand der Altstadt.
Die Conserva di Valverde wird häufig auch Bagni di Mario genannt. Der Name führt allerdings in die Irre: Bei ihrer Wiederentdeckung hielt man die Anlage fälschlicherweise für ein römisches Thermalbad.
Tatsächlich handelt es sich um eine kunstvoll angelegte Renaissance-Zisterne aus dem Jahr 1563. Sie sammelte Wasser aus den Hügeln und versorgte unter anderem den berühmten Neptunbrunnen auf der Piazza del Nettuno.
Im Inneren führen schmale Treppen zu einer achteckigen Kammer, von der mehrere Tunnel in den Berg hineinreichen. Kalkablagerungen, feuchte Backsteinwände und das gedämpfte Licht verleihen dem Ort fast etwas Mystisches.
Besichtigen kann man die Conserva di Valverde nur im Rahmen einer Führung. Eine rechtzeitige Reservierung lohnt sich!
02. Osteria del Sole – Wein bestellen, Essen selbst mitbringen
Mitten im touristischen Quadrilatero hält sich eine Tradition, die in einer italienischen Großstadt fast unwirklich erscheint.
Die Osteria del Sole wurde bereits 1465 gegründet und serviert bis heute ausschließlich Getränke. Das Essen bringen die Gäste selbst mit.
Am besten kauft man vorher in den umliegenden Salumerie Mortadella, Salame rosa, Käse und frisches Brot. Damit setzt man sich an einen der alten Holztische und bestellt einen Krug Wein.
Luxus sollte man hier nicht erwarten. Die Räume sind eng, die Tische werden geteilt und zur Mittagszeit kann es ziemlich lebhaft werden. Genau das macht die Atmosphäre aus: In der Osteria del Sole sitzen Studierende, Markthändler, ältere Stammgäste und neugierige Reisende nebeneinander.
Unser Tipp: Erst im Quadrilatero einkaufen und dann am späten Vormittag kommen. Zur klassischen Mittagszeit sind die besten Plätze oft bereits belegt.
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03. Teatro Mazzacorati – ein Rokoko-Theater für 80 Gäste

Von außen wirkt die Villa Aldrovandi Mazzacorati wie eine elegante, aber nicht außergewöhnliche Landvilla. In ihrem linken Flügel verbirgt sich jedoch eines der schönsten kleinen Theater Italiens.
Das Teatro Mazzacorati wurde 1763 eröffnet und ist das einzige erhaltene private Vorstadttheater seiner Art in Bologna.
Gerade einmal rund 80 Zuschauer finden darin Platz. Zwei hufeisenförmige Ränge werden von bemalten Tritonen und Karyatiden getragen, die früher bei Festen kleine Laternen, Blumen und Girlanden in den Händen hielten.
Noch heute finden in dem intimen Saal Konzerte, Opernabende und Lesungen statt. Wegen der hervorragenden Akustik lohnt es sich besonders, nicht nur an einer Besichtigung teilzunehmen, sondern nach einer Veranstaltung im Teatro Mazzacorati zu suchen.
Das Theater liegt etwas außerhalb des historischen Zentrums, ist aber mit dem Bus gut erreichbar.
04. Palazzo Poggi – Wissenschaft zwischen Kunst und Kuriositäten

Bologna beherbergt die älteste Universität Europas. Wie kurios und fortschrittlich hier bereits vor Jahrhunderten geforscht wurde, zeigt der Palazzo Poggi.
Das Museum wirkt stellenweise eher wie eine barocke Wunderkammer als wie eine klassische Universitätssammlung.
Zu sehen sind historische Schiffsmodelle, alte Landkarten, exotische Naturalien und Modelle von Festungsanlagen. Besonders spannend sind die anatomischen Wachsfiguren aus dem 18. Jahrhundert.
Die detailgetreuen Modelle von Muskeln, Organen und Sinnesapparaten wurden für den medizinischen Unterricht angefertigt. Ein eigener Bereich widmet sich der Geburtshilfe und zeigt, wie Ärzte und Hebammen ausgebildet wurden.
Der Palazzo Poggi liegt mitten in der Altstadt und trotzdem verirren sich vergleichsweise wenige Besucher hierher.
05. San Michele in Bosco – Bologna durch ein Fernrohr betrachten

Den berühmtesten Blick über Bologna suchen viele beim Santuario della Madonna di San Luca. Die schönere und deutlich ruhigere Aussicht bietet unserer Meinung nach jedoch San Michele in Bosco.
Das ehemalige Olivetanerkloster thront auf einem Hügel südlich der Altstadt. Von der Terrasse reicht der Blick über die roten Dächer und Türme Bolognas bis weit in die Po-Ebene.
Die eigentliche Überraschung verbirgt sich im Inneren des Gebäudes.
Vom Presbyterium der Kirche gelangt man in einen langen ehemaligen Klostergang. An dessen Ende rahmt ein Fenster die Torre degli Asinelli ein. Durch die perspektivische Wirkung erscheint der Turm beim Zurückgehen plötzlich größer, statt kleiner zu werden.
Die Bologneser nennen diesen optischen Effekt Il Cannocchiale – das Fernrohr.
06. Certosa di Bologna – ein Friedhof wie eine eigene Stadt
Ein Friedhof gehört normalerweise nicht zu den ersten Orten, die man während einer Städtereise besucht. Bei der Certosa di Bologna sollte man eine Ausnahme machen.
Die Anlage entstand zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf dem Gelände eines ehemaligen Klosters und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Monumentalfriedhöfe Europas.
Lange Säulengänge, Innenhöfe, marmorverkleidete Grabkapellen und beinahe lebensgroße Skulpturen lassen die Certosa stellenweise wie eine stille zweite Stadt erscheinen.
Besonders ungewöhnlich sind die realistischen Grabdenkmäler wohlhabender Bologneser Familien. Sie erzählen von Trauer, gesellschaftlichem Status und dem Selbstverständnis des Bürgertums – manchmal ausgesprochen theatralisch.
Auf dem Friedhof befinden sich unter anderem die Gräber des Malers Giorgio Morandi, des Dichters Giosuè Carducci und des Sängers Lucio Dalla.
Die Certosa liegt in der Nähe des Stadions und lässt sich gut mit einem Spaziergang unter den Arkaden in Richtung San Luca verbinden.
07. Via del Pratello – Bologna am Abend erleben
Wer Bologna nach Einbruch der Dunkelheit abseits der eleganten Weinbars erleben möchte, sollte in die Via del Pratello gehen – vor allem am Wochenende.
Die lange Straße westlich des Zentrums war früher ein Viertel der Handwerker und Arbeiter. Heute reiht sich hier eine Mischung aus einfachen Osterien, kleinen Bars, alternativen Kulturorten und spät geöffneten Lokalen aneinander.
Der Pratello ist nicht schick und will es auch nicht sein. Auf den Gehwegen stehen Fahrräder, vor den Bars diskutieren Studenten und Anwohner, und hinter manchen Türen verbergen sich Innenhöfe, in denen kleine Konzerte stattfinden.
08. Museo del Patrimonio Industriale – die unbekannte Seite Bolognas
Bologna verbindet man mit Arkaden, Tortellini und der ältesten Universität Europas. Dass die Stadt über Jahrhunderte auch ein wichtiges Zentrum für Technik und Industrie war, wissen nur wenige.
Davon erzählt das Museo del Patrimonio Industriale in einer ehemaligen Ziegelei am Canale Navile.
Im Mittelpunkt stehen Bolognas historische Seidenproduktion, Maschinenbau und moderne Verpackungsindustrie. Besonders spannend ist das funktionsfähige Modell einer Bologneser Seidenmühle im Maßstab 1:2.
Solche wasserbetriebenen Anlagen machten Bologna bereits vor der industriellen Revolution zu einem der technologisch fortschrittlichsten Produktionszentren Europas.
Die ehemalige Fornace Galotti ist schon allein wegen ihrer Architektur sehenswert. Da das Museo del Patrimonio Industriale außerhalb des Zentrums liegt und nicht täglich geöffnet ist, sollte man den Besuch vorher planen.






