Die Toskana ist eine der meist besuchten Regionen Italiens.
Doch obwohl die Toskana voller Sehenswürdigkeiten ist, konzentriert sich eine Großteil der Reisenden nur auf die allgemein bekannten Ecken: Florenz, Siena, San Gimignano.
Während sich hier jährlich Millionen Touristen durch die Gassen schieben, sind andere Teile der Toskana, nahezu menschenleer.
Folgende Toskana Geheimtipps lohnen sich für alle diejenigen, die gerne von den ausgetretenen Pfaden abwandern.
Abbazia di San Galgano: die einsame Abtei unter freiem Himmel



Mitten in der hügeligen Landschaft südwestlich von Siena liegt die Abbazia di San Galgano, eine der eindrucksvollsten Klosterruinen Italiens. Die ehemalige Zisterzienserabtei aus dem 13. Jahrhundert ist vollständig erhalten – mit einer Ausnahme: dem Dach.
Der Eintritt in die Abtei liegt bei 6 Euro und umfasst auch den Zugang zur kleinen, wenige hundert Meter entfernten Eremo di Montesiepi.
In dieser romanischen Rundkirche befindet sich das berühmte Schwert im Felsen, das dem Ritter San Galgano zugeschrieben wird. Der Legende nach versenkte er es hier als Zeichen seiner Abkehr vom weltlichen Leben. Das Schwert ist bis heute erhalten und stammt nachweislich aus dem 12. Jahrhundert.
Besonders eindrucksvoll ist ein Besuch am frühen Morgen oder in den Abendstunden, wenn kaum Besucher vor Ort sind und die Abtei ihre ganze kontemplative Kraft entfaltet – einer jener Toskana Geheimtipps, die vielen Touristen entgeht.
Suvereto: Toskana Geheimtipp fernab der Küste

© I, Sailko, CC BY-SA 3.0
Nur wenige Kilometer vom Meer entfernt liegt Suvereto, ein nahezu vollständig erhaltenes Dorf aus dem Mittelalter.
Enge Gassen mit wenigen Besuchern, Natursteinfassaden und kleine Plätze prägen das Ortsbild. Trotz der Nähe zur Küste wirkt Suvereto entschleunigt und erstaunlich authentisch. Die Umgebung ist geprägt von Olivenhainen und kleinen Weingütern, die kaum Export betreiben.
Auch kulinarisch zeigt sich hier eine bodenständige, unverfälschte Toskana. Wer das ursprüngliche Dorfleben sucht, findet hier einen der überzeugendsten Toskana Geheimtipps.
Barga: das Bergdorf mit literarischer Seele


Barga liegt nördlich von Lucca, in der von Touristen kaum wahrgenommenen Berglandschaft Garfagnana, im Norden der Toskana.
Das mittelalterliche Zentrum ist klar strukturiert, elegant und überraschend kosmopolitisch. Lange Zeit zog der Ort Künstler, Dichter und Musiker an – ein Erbe, das bis heute spürbar ist.
Die Kathedrale San Cristoforo dominiert das Stadtbild. Wer bis zur Kirche hinaufklettert, genießt einen unverbauten Blick auf Barga und die umliegenden Apuanischen Alpen.
Terme di Petriolo: Wildbaden in heißen Quellen

Zwischen Siena und dem Maremma-Gebiet liegen die Terme di Petriolo – frei zugängliche Thermalquellen am Fluss Farma.
Das warme, schwefelhaltige Wasser wurde schon in der Antike zur Heilung von Krankheiten und chronischen Schmerzen genutzt und sprudelt seit jeher mit rund 37 Grad in natürlich geformte, schneeweiße Becken.
Es gibt keine Infrastruktur, kein Eintritt, keine Toiletten – hier badet man wie schon vor tausenden von Jahren umgeben von der Wildnis. Und genau darin liegt der Reiz.
Besonders schön ist das Baden hier im Winter oder nachts. Dann sollte man aber unbedingt ein eigenes Licht mitbringen.
Monte Amiata: der grüne Riese im Süden



© I, Sailko, CC BY-SA 3.0
Der Monte Amiata erhebt sich wie ein Fremdkörper aus der hügeligen Val d’Orcia, im Süden der Toskana.
Der erloschene Vulkan ist dicht bewaldet, kühl und von kleinen, lebhaften Dörfern umgeben: besonders sehenswert sind hier Santa Fiora, Castel del Piano und Abbadia San Salvatore.
Vor allem rund um Castel del Piano gibt es wunderschöne Kastanienwälder zum Spazieren.
Der Monte Amiata hat auch eine ganz eigene Kultur was Kulinarik anbelangt, eine lange Tradition bäuerlicher Selbstversorgung prägen die Region.
Im Sommer bietet der Amiata viel angenehmere Temperaturen als als das Flachland, im Winter kann man auf dem fast 1800 Meter hohen Gipfel Skilaufen. Ein Gegenentwurf zur bekannten Toskana – und damit einer der spannendsten Toskana Geheimtipps.
Massa Marittima: urbane Eleganz in der Maremma


Massa Marittima überrascht durch seine städtische Struktur und architektonische Klarheit.
Der Dom San Cerbone öffnet sich zu einem großzügigen Platz, umgeben von Loggien und Palazzi.
Anders als viele kleinere Orte wirkt Massa Marittima nicht museal, sondern lebendig und selbstbewusst.
Die Stadt war im Mittelalter ein bedeutendes Zentrum des Bergbaus, was ihren Wohlstand bis heute erklärt.
Wer die Maremma jenseits von Stränden verstehen möchte, findet hier einen wichtigen kulturellen Ankerpunkt, die nie überlaufen ist.
Certaldo: zwei Ebenen, zwei Welten

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Certaldo besteht aus zwei klar getrennten Teilen: der modernen Unterstadt und dem mittelalterlichen Certaldo Alto, das per Standseilbahn erreichbar ist.
Oben dominiert roter Backstein, unten der Alltag. Als Geburtsort des berühmtesten Autors der Renaissance Giovanni Boccaccio besitzt der Ort eine ganz besondere literarische Bedeutung.
Gerade in den Abendstunden entfaltet Certaldo Alto eine besondere Atmosphäre. Einer jener Toskana Geheimtipps, die erst beim zweiten Blick ihre ganze Stärke zeigen.
Unser Tipp: Wer die Toskana im Juli besucht, sollte sich nicht das Festival für Straßenkünstler Mercantia entgehen lassen, das seit Jahrzehnten in Certaldo stattfindet.
Arezzo: Geschichte ohne Gedränge


Obwohl Arezzo eine eigenständige Stadt ist, wird es aufgrund seiner Lage abseits der typischen Routen oft übergangen. Zu Unrecht!
Die Stadt vereint etruskische Wurzeln, mittelalterliche Architektur und Renaissancekunst auf engem Raum.
Die Piazza Grande gehört zu den eindrucksvollsten Plätzen der Toskana, ohne je überlaufen zu sein.
Hier findet auch jedes erste Wochenende des Monats der Antiquitätenmarkt von Arezzo statt, der größte Italiens.
Handwerks-Boutiquen, kleine aber feine Trattorias und eine aktive Kulturszene machen Arezzo zu einem idealen Abschluss für eine Reise durch die leiseren Seiten der Toskana.



