Unter den Straßen von Neapel verbirgt sich eine zweite Stadt. Schon in der Antike entstanden hier weitläufige unterirdische Anlagen, die später von den ersten christlichen Gemeinden als Begräbnisstätten genutzt wurden. Über Jahrhunderte wuchsen so kilometerlange Gänge, Grabkammern und Kapellen tief unter der Erde.
Heute gehören die Neapel Katakomben zu den eindrucksvollsten historischen Orten Süditaliens.
Zwei Katakomben sind für Besucher geöffnet: die Katakomben von San Gennaro und die Katakomben von San Gaudioso. Beide liegen im zentralen Viertel Sanità und können im Rahmen einer Führung besichtigt werden.
Der Besuch führt tief unter die Stadt und zeigt eine Seite Neapels, die oberirdisch unsichtbar ist – eine Welt aus uralten Fresken, Grabkammern und frühchristlicher Geschichte.
Neapel Untergrund und Neapel Katakomben – was ist der Unterschied?

In Neapel gibt es mehrere unterirdische Anlagen, was verwirren kann. Besonders häufig werden die Katakomben mit dem sogenannten „Neapel Untergrund“ gleichgesetzt.
Der Napoli Sotterranea bezeichnet ein Netzwerk aus antiken Tunneln, Zisternen und Hohlräumen unter der Altstadt. Diese entstanden bereits in der griechischen und römischen Antike, als Tuffstein aus dem Boden gewonnen wurde. Später dienten einige dieser Räume als Wasserreservoirs oder Luftschutzkeller.
Die Katakomben von Neapel haben hingegen eine andere Funktion. Sie wurden von den frühen christlichen Gemeinden als Begräbnisstätten angelegt. Hier befinden sich Grabkammern, Fresken und Kapellen.
Kurz gesagt: der Neapel Untergrund zeigt vor allem die antike Infrastruktur der Stadt, während die Katakomben ein Einblick in die frühchristliche Bestattungskultur sind.
Katakomben von San Gennaro


Die Katakomben von San Gennaro sind die größten und bedeutendsten Katakomben in Neapel. Sie entstanden vor rund 1800 Jahren und bestehen aus mehreren Ebenen mit weitläufigen Gängen, Grabkammern und frühen christlichen Fresken.
Die Katakomben sind nach dem Stadtheiligen San Gennaro benannt, dessen Reliquien hier mehrere Jahrhunderte lang aufbewahrt wurden.
Die Besichtigung findet im Rahmen geführter Touren statt, die stündlich starten. Der Rundgang dauert circa eine Stunde und die Guides erklären alles wirklich gut.
Übrigens: das Ticket für die Katakomben von San Gennaro gilt auch für die Katakomben von San Gaudioso.
Katakomben von San Gaudioso
Die Katakomben von San Gaudioso liegen ebenfalls im Viertel Sanità, unter der Basilika Santa Maria della Sanità. Sie entstanden etwas später als die Katakomben von San Gennaro und sind kleiner, zeigen jedoch eine andere Form der frühchristlichen Bestattungskultur.
Besonders ungewöhnlich sind einige Grabdarstellungen aus dem 17. Jahrhundert. Dabei wurden die Schädel der Verstorbenen in Wandmalereien integriert, während die gemalten Körper darunter dargestellt sind.
Wie ein Verein aus dem Viertel Sanità die Katakomben neu zum Leben erweckte

Heute werden die Katakomben von San Gennaro und San Gaudioso von der Sozialkooperative La Paranza betrieben. Der Verein wurde 2006 von jungen Menschen aus dem Viertel Sanità gegründet, einem Stadtteil, der lange mit hoher Arbeitslosigkeit und großen sozialen Ungleichheiten zu kämpfen hatte.
Über viele Jahrzehnte waren die Katakomben kaum zugänglich und teilweise dem Verfall überlassen. Erst Anfang der 2000er-Jahre begann eine Initiative rund um den damaligen Pfarrer Don Antonio Loffredo und junge Bewohner des Viertels, das kulturelle Erbe der Gegend wieder sichtbar zu machen.
Die Kooperative übernahm zunächst Führungen in den Katakomben von San Gaudioso und begann später auch mit der Restaurierung und Öffnung der Katakomben von San Gennaro. Durch Fördermittel und viel ehrenamtliches Engagement konnten die Anlagen restauriert und wieder für Besucher zugänglich gemacht werden.
Heute arbeiten zahlreiche Guides, Restauratoren und Mitarbeitende aus dem Viertel selbst in dem Projekt. Die Katakomben sind dadurch nicht nur zu einer der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Neapels geworden, sondern auch zu einem Motor für die Entwicklung des Viertels. Aus den Besucherzahlen entstand eine lokale Kultur- und Sozialwirtschaft mit neuen Arbeitsplätzen und Projekten für Jugendliche.
Der Besuch der Katakomben erzählt daher nicht nur die Geschichte der frühen Christen in Neapel, sondern auch die jüngere Geschichte eines Viertels, das begonnen hat, sein kulturelles Erbe neu zu entdecken.



