In der deutschen Küche ist Fisch kein fester Bestandteil – in der italienischen um so mehr.
Und wer nach Italien reist und sagt „Ich mag keinen Fisch“ – der verpasst einen wesentlichen Bestandteil italienischer Kultur.
Es gibt italienische Gerichte, die man nicht einfach nur isst, sondern die ganze Geschichten erzählen.
Geschichten von Sonne, Meer und Sand an den Füßen. Geschichten vom Klang der Wellen und den Stimmen an einer Strandbar. Das Fritto Misto di Mare gehört zweifellos zu diesen Gerichten. Knusprig, goldbraun und duftend ist es eine kulinarische Quintessenz des Estate Italiana – ein Symbol für Dolce Vita am Meer.

Was im Fritto Misto steckt
Das Besondere am Fritto Misto ist seine Vielfalt. Es ist kein festgelegtes Rezept, sondern eine Art Best-of der Tagesfänge, die in der Pfanne landen. Je nach Region und Fang des Fischers können sich die Zutaten leicht unterscheiden. Typisch sind:
- Calamari – in Ringe geschnitten und in hauchdünnem Backteig frittiert, oft der Publikumsliebling.
- Gamberi (Garnelen) – manchmal mit Schale, manchmal ohne, aber immer saftig und aromatisch.
- Acciughe (Sardellen oder Sardinen) – klein, intensiv im Geschmack, die Herzfrequenz jedes Meeresliebhabers.
- Triglie (Rotbarben) – kleine, festfleischige Fische mit delikatem Aroma.
- Seppioline (kleine Sepien) – leicht süßlich und besonders knusprig, wenn frisch zubereitet.
Dazu gesellen sich oft regionale Variationen: winzige Tintenfische an der ligurischen Küste, zarte Schollenfilets an der Adria, oder auch Muscheln, die in knuspriger Panade ein völlig neues Gesicht bekommen.
„Zu jedem Urlaub am Meer gehört mindestens ein Fritto Misto. Oder auch zwei. Oder zwölf“
Manchmal schmeckt Fritto Misto am besten dort, wo es am schlichtesten serviert wird: direkt vom Kutter, in einer Papiertüte auf die Hand.
In Orten wie Viareggio in der Toskana oder Chioggia südlich von Venedig kann man Fischer beobachten, die nach dem Anlanden einen Teil ihres Fangs direkt frittieren und verkaufen.
Dort gibt es keine Teller, keine Tischdecken – nur heiße, knusprige Meeresfrüchte, die man auf der Mole sitzend genießt, während Möwen kreischen und die Sonne langsam untergeht.
Es ist ein Genuss, der alle Sinne anspricht: das Knacken der frittierten Hülle zwischen den Zähnen, der salzige Duft der See, das warme Licht des Abends. Und plötzlich versteht man, warum die Italiener so verliebt sind in dieses Gericht – es ist Meer zum Anfassen.

Nicht nur Street Food
Auf der anderen Seite der kulinarischen Skala steht das Fritto Misto, wie man es in eleganten Restaurants mit Meerblick erlebt. Hier wird es oft auf großen Platten serviert, begleitet von hausgemachten Saucen, kunstvoll angerichteten Beilagen und manchmal sogar einem Glas eisgekühltem Franciacorta.
Die Quintessenz des italienischen Sommers
Ob in Papiertüte oder auf Porzellan angerichtet – das Fritto Misto ist der Inbegriff des italienischen Urlaubsgefühls. Es erinnert an Sand zwischen den Zehen, an Nachmittage in Badeanstalten, an das Gefühl, den Alltag weit hinter sich gelassen zu haben. Wer einmal mit öligen Fingern und einem Stück Zitrone in der Hand an der Uferpromenade von eines beliebigen Badeorts in Italien stand, der weiß: Hier wird Glück frittiert.
Dabei ist Fritto Misto mehr als nur ein Gericht. Es ist ein Stück Kultur, ein kulinarisches Erbe, das zeigt, wie sehr die Italiener den Rhythmus von Meer und Jahreszeit in ihre Küche aufnehmen. Frisch gefangen, sofort verarbeitet, gemeinsam genossen – so wird Essen zum Ritual des Sommers.



