In der Hauptstadt Siziliens reichen sich Verwahrlosung und barocke Eleganz die Hand. In kaum einer anderen Stadt Italien liegen Dekadenz und Pracht so nah beieinander.
Die Sehenswürdigkeiten von Palermo lassen sich sehr gut zu Fuß erkunden – viele der beeindruckendsten Highlights liegen nahe beieinander, eingebettet in ein Gewirr aus Gassen, Märkten und Flaniermeilen.
Hier sind die Sehenswürdigkeiten in Palermo, die man auf keinen Fall verpassen sollte.
Alle Palermo Sehenswürdigkeiten auf einer Karte
Auf dieser Karte sind alle Highlights markiert, die wir im Artikel erwähnen, sowie Unterkünfte im Zentrum von Palermo.
Palermo ist zwar die größte Stadt Siziliens, aber keine allzu große Stadt – circa 630.000 Menschen wohnen hier.
Palermo liegt direkt an der Nordküste Siziliens und ist damit auch ein tolles Reiseziel, wenn man auch ein paar Strandtage mit einplanen möchte.
Diese folgenden Sehenswürdigkeiten gehören in Palermo zum Pflichtprogramm:
Die Kathedrale von Palermo
Palmenumsäumtes Herzstück der Altstadt

Die Kathedrale vereint Jahrhunderte sizilianischer Architekturgeschichte – von arabischen Einflüssen bis hin zu neogotischen Elementen.
Wer möchte, kann über schmale Treppen auf das Dach steigen und einen grandiosen Blick auf die Stadt und die Berge genießen. Im Sommer geht das einmal wöchentlich sogar bis Mitternacht.
Im Inneren befindet sich außerdem das Grab von Friedrich II., dem legendären Stauferkaiser, der Sizilien, die Basilikata und ganz Süditalien geprägt hat wie kaum ein anderer.
Unser Tipp: Um die Warteschlangen in der Hauptsaison zu umgehen, besorgt euch die Tickets entweder online, oder nebenan im erzbischöflichen Palast (Museo Diocesano).
Zum Ticket für die Kathedrale & Dachterrasse
I Quattro Canti
Das Sonnentheater


Die Quattro Canti sind (gefühlt) der Mittelpunkt der Altstadt. Hier kreuzen sich die beiden wichtigsten Achsen Palermos: die Via Maqueda und die Via Vittorio Emanuele.
Quattro Canti bedeutet soviel wie „vier Ecken“ und bezieht sich auf die vier barocken Gebäudefassaden, die den Platz wie eine offene Theaterbühne umschließen.
Nicht umsonst wird der Platz auch Teatro del Sole genannt („Sonnentheater“): je nach Tageszeit wird eine andere der vier Fassaden von der sizilianischen Sonne beschienen.
Und an den Fassaden gibt es einiges zu beobachten: alle Etagen sind mit Statuen verziert, mit Darstellungen der vier Jahreszeiten, spanischen Herrschern und Heilige.
Das alles wird begleitet vom geschäftigen Treiben auf dem Platz, mit Straßenmusikern, Verkaufskarren, wo man frisch gepressten Orangensaft oder Granita kaufen kann und Pferdekutschen, die Touristen durch die Stadt fahren.
Mercato Ballarò
Laut, lebendig, Reiz-Overload


Der Mercato di Ballarò ist der lebhafteste und älteste Markt Palermos.
Ein lautes, chaotisches Gewirr aus heruntergekommenen, zum Teil ungeteerten Gassen, Stimmen, Gerüchen und Dämpfen, dass man sich eher wie in Afrika vorkommt, als in Europa.
Hier mischen sich arabische Gewürze mit sizilianischem Streetfood, Obstständen, Fischhändlern und lautstarken Marktschreiern.
Aber es gibt nicht nur Essen: Küchenutensilien, Socken, Fußbälle, wattierte BHs, Hühner im Käfig oder Handy-Ladegeräte bekommt man hier auch.
Der Markt findet jeden Tag statt und ist nur ein paar Abbiegungen vom Quattro Canti entfernt.
Fontana Pretoria
Einstiger Brunnen der Schande

Die Fontana Pretoria auf der gleichnamigen Piazza wirkt fast surreal: ein barocker Brunnen, der von weißen Marmorskulpturen umgeben ist – Nymphen, Flussgötter und Fabelwesen.
Der Brunnen wurde vom florentiner Bildhauer Francesco Camilliani im 16. Jahrhundert für eine Villa in der Toskana gebaut, den die Stadtverwaltung von Palermo dann kaufte.
Doch wegen der Nacktheit der Statuen wurde er von den Palermitanern als „Brunnen der Schande“ bezeichnet.
Heute ist er eines der elegantesten Fotomotive Palermos und ein Ruhepunkt im Trubel der Altstadt.
Piazza Bellini
Wo Palermo seine kulturellen Schichten zeigt

Dieser Platz ist ein Mikrokosmos der palermitanischen Geschichte.
Hier stehen drei grundverschiedenen Bauwerke dicht an dicht nebeneinander: die mittelalterliche Kirche La Martorana mit ihren goldenen Mosaiken, die Kirche San Cataldo mit ihren drei roten Kuppeln und das barocke Teatro Bellini Seite an Seite.
Die Piazza wirkt gleichzeitig orientalisch und europäisch – ein Ort, an dem sich die vielen Schichten der Stadt wie in einem offenen Geschichtsbuch übereinanderlegen.
Vor allem zum Sonnenuntergang kann man hier wunderbar im Café sitzen und zusehen, wie das Licht die Piazza in verschiedenen Gold- Orange- und Pfirsichtöne taucht.
Unser Tipp: einen Blick in die Kirche La Martorana werden. Das reich verzierte Innere ist wirklich atemberaubend.
Palazzo dei Normanni
Museum und Verwaltungssitz in Einem

Der Palazzo dei Normanni ist einer der ältesten Königspaläste Europas und Sitz des sizilianischen Parlaments.
Er erzählt von einer Zeit, in der Palermo das Zentrum eines multikulturellen Königreiches war, in dem arabische, byzantinische und normannische Einflüsse verschmolzen.
Prunkvolle Räume, Mosaike und Innenhöfe machen ihn zu einer der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Siziliens. Unter anderem befindet sich hier die Cappella Palatina – eins der beeindruckendsten Highlights von Palermo.
Cappella Palatina – ein Highlight unter den Palermo Sehenswürdigkeiten

Die Cappella Palatina ist ein absolutes Highlight in Palermo. Die Kapelle liegt im Herzen des Palastes, gilt als Meisterwerk normannischer Kunst.
Ihre Wände sind vollständig mit goldglänzenden byzantinischen Mosaiken bedeckt, die biblische Szenen in einem fast überirdischen Licht zeigen.
Der arabische Holzmuqarnas der Decke macht die Kapelle zu einem einzigartigen Ort, an dem drei Kulturen in perfekter Harmonie zusammenkommen.
Zum geführten Rundgang durch den Normannenpalast mit Capella Palatina
Via Maqueda
Palermos Flanier- und Schlemmermeile
Die Via Maqueda ist eine der wichtigsten Fußgängerachsen Palermos – lebendig, laut und voller kleiner Läden, Bars und historischer Gebäude.
Sie verbindet einige der zentralen Plätze der Altstadt und eignet sich ideal für einen entspannten Spaziergang, ganz im berühmt berüchtigten, entspannten Tempo der Einheimischen.
Spaziert man vom Quattro Canti auf der Via Maqueda Richtung Westen trifft man auf der rechten Seite auf das Sfrigola, wo man dabei zusehen kann, wie Arancini frisch zubereitet werden.
Und wenn man die via Maqueda Richtung Osten abläuft, kommt man irgendwann zum neuen Stadtpark Parco della Salute, der direkt am Meer liegt.
Teatro Massimo
Italiens größtes Opernhaus

Das Teatro Massimo ist das größte Opernhaus Italiens und ein Monument der Belle Époque.
Wer nicht nur die Fassade bewundern will, kann eine Führung buchen, die bis auf die Dachterrasse führt – mit einem überraschend weitläufigen Blick über die Stadt.
Innen beeindruckt das Theater mit vergoldeten Logen, rotem Samt und einer Akustik, die in Europa ihresgleichen sucht.
Wer schon mal „Der Pate 3“ gesehen hat, wird die breite Treppe, die zum Eingang hinaufführt wiedererkennen – hier wurde die Schussszene mit Sofia Coppola und Al Pacino gedreht.
Mercato della Vucciria
Tagsüber Markt, nachts Ausgehviertel mit Kultstatus
Der Mercato della Vucciria ist ein weiterer Markt Palermos, der unweigerlich an die geographische Nähe zu Nordafrika erinnert.
Der mit Graffitti bedeckter Freiluftmarkt, der vielleicht noch heruntergekommener als der Mercato di Ballarò ist, ist ein einziges Gewirr aus lärmenden Ständen, Gerüchen und Farben.
Unser Tipp: wer gerne Polpo isst (Tintenfisch), sollte unbedingt unbedingt zum Al Tentacolo, der täglich bis von 11 Uhr bis Mitternacht frischen Tintenfisch serviert.
Wer in Palermo so richtig auf den Putz hauen will, sollte abends nach Vucciria kommen. Dann füllen sich die Gassen mit Menschen, überall sind Bars, Restaurants, Live Musik und improvisierte Dancefloors – richtig Palermo eben.
Chiesa e Monastero di Santa Caterina d’Alessandria
Barocke Pracht und Cannoli unter Orangenbäumen


Hinter der Piazza Bellini verbirgt sich ein stilles barockes Juwel, das viele Besucher überrascht: die Kirche und das ehemalige Kloster Santa Caterina d’Alessandria.
Beide Bauwerke beeindrucken mit detailreichen Stuckdekoren, marmorverkleideten Wänden und einer Kuppel, die im Licht fast zu schweben scheint.
Ein Rundgang führt durch Kreuzgang, alte Klosterzellen und auf zwei Dachterrassen – zwei der schönsten Aussichtspunkte Palermos, besonders am späten Nachmittag.
Zum Schluss lohnt sich ein Stopp bei einem richtigen Palermo Geheimtipp: die Kloster-Konditorei I Segreti del Chiostro, im Innenhof des Klosters. Hier gibt es die besten Cannoli von Palermo, nach traditionellem Rezept der Nonnen hergestellt.
Palermo Highlights außerhalb des Zentrums
Eine kurze Bus- oder Taxifahrt aus dem Zentrum und ihr erreicht noch weitere Palermo Sehenswürdigkeiten, die zum Pflichtprogramm gehören.
Mondello
Ein Strand wie aus einer anderen Epoche


Nur wenige Kilometer vom Zentrum entfernt liegt Mondello, Palermos städtischer Strand und definitiv einer der schönsten Strände Siziliens.
Mit dem Bus 806 kommt man von der Piazza Crispi in rund 35 Minuten direkt zum Strand (Haltestelle Principe di Scalea Galatea).
Türkises Wasser, ein halbmondförmiger Sandstrand und Jugendstilvillen machen den Ort zu einem beliebten Sommerrefugium der Palermitaner.
Das Wasser ist karibisch klar, der altmodische Pier mit Zwanziger-Jahre-Glamour ist ein echtes Highlight und in den Restaurants am Lungomare kann man wunderbar frischen Fisch essen.
Kapuzinergruft
Nichts für Zartbesaitete

© Rhaessner, CC BY-SA 3.0
Nicht nur in Rom und Neapel haben die Kapuzinermönche ihre Toten auf unübliche Weise begraben – auch in Palermo gibt es ein Überbleibsel dieser Begräbnisart.
In den unterirdischen Gängen der Chiesa dei Cappuccini, etwas über einen Kilometer außerhalb der Altstadt, ruhen rund 2.000 Mumien aus dem 17. bis 19. Jahrhundert.
Viele von ihnen sind überraschend gut erhalten, teils in Kleidung aus vergangenen Jahrhunderten. Die Mönche sortierten die Verstorbenen nach Status, Geschlecht und Religion – es gibt sogar eigene Bereiche für Kinder, unverheiratete Frauen und Familien.
Besonders bekannt ist die 100-jährige, balsamierte Mumie des zweijährigen Mädchens Rosalia Lombardo, die Anfang des 20. Jahrhunderts an der Spanischen Grippe starb.
Sie gilt mit ihren blonden Locken als die schönste Mumie der Welt und ist so gut erhalten, dass das Kind zu schlafen scheint.



